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Mama Bügelfrei: Erfindergeist
Vergangenes Jahr ging sie mit ihrer Erfindung durch die internationalen Medien, im Strukturvertrieb sucht sie heute ihr Glück: Ein Portrait jener Frau, die mit ihrem Zusatzstoff die Waschmittelindustrie aufmischen wollte.

 

bilder --> „Eigentlich ist alles ganz einfach“, behauptet Manja König. „Man hat ein Problem und sucht sich für die Lösung die besten Leute und die besten Firmen aus.“ Die Wahl-Burgenländerin mit der „original Berliner Schnauze“ versteht es geschickt, mit den Kürzeln der Erfolgsorientierten zu sprechen. Und so soll es wohl auch zielsicher klingen, wenn sie sagt: „Ich möchte den größten Network-Vertrieb der Welt machen.“ Oder: „Ich möchte so eine richtig große Firma aufbauen. Und ich schaff das auch. Der nächste Markt ist Nordamerika.“

Breiter Raum. Vor eineinhalb Jahren ist Manja König, 40, durch die Medien gegangen. RTL und SAT1, Pro7 und ORF, ja selbst der ehrwürdige „Spiegel“ widmeten der Erfinderin einer Substanz für knitterfreie Wäsche breiten Raum. Aller Angebote von Waschmittelkonzernen zum Trotz hat die Erfinderin ihr Produkt im Strukturvertrieb und über Teleshopping an die Bügelfaulen gebracht. Aus dem ehemals im Raum stehenden Verkauf des Patentes ist nichts geworden.

Spannender Besuch. Begonnen hat alles vor drei Jahren – reichlich zufällig. Ihre drei Kinder haben beim Spielen auf dem unversiegelten Parkettboden einen Fleck hinterlassen, den Mama Manja in aller Eile mit dem nächst verfügbaren Textil – einem Hemd ihres Mannes – wegwischt. Das Stoffteil kommt aus der Waschmaschine ungewöhnlich faltenfrei retour und Frau König sucht nach des Rätsels Lösung. Sie findet – nach monatelangen Versuchen – nicht nur ersteres, sondern mit dem Finger im Telefonbuch per Zufallstreffer auch die renommierte Patentanwaltskanzlei „Sonn & Partner“. Schon wenig später ist die Erfindung der Hausfrau aus Jennersdorf unter dem Titel „Substanz für knitterfreie Wäsche“ beim Patentamt angemeldet, da erhält Manja König Besuch. „Spannenden Besuch, von Chemieriesen mit teilweise kuriosen Angeboten“ wie König betont.

Im Rampenlicht zur Unternehmerin. Unvergesslich freilich bleibt ihr jener Mittelsmann von Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, dem Kronprinzen von Dubai. Der arabische Delegationsleiter legte Manja König einen in Englisch verfassten Vertrag auf den Tisch: ihr Rezept nebst sofortiger Unterschrift gegen 36 Millionen Euro. „Ich hab’s gelassen“, sagt sie. „Ich hatte Angst, am Ende durch die Finger zu schauen.“ Anfang 2003 kam dann der wirklich grosse Ruhm. Nach einem Artikel im Nachrichtenmagazin „Profil“ meldeten sich Dutzende Journalisten aus halb Europa in der Redaktion des Wochenmagazins auf der Suche nach der Telefonnummer von Frau König. Denn die war in keinem Telefonbuch zu finden. „Damals war ich nicht im drinnen, weil es mir nicht wichtig war – heute, weil es genügend Neider und falsche Freunde gibt“ sagt König. Die Wochen im europäischen medialen Rampenlicht weiß „Mama Bügelfrei“ clever als Gratiswerbung zu nützen. Aus der dreifachen Mutter und Hausfrau wird quasi über Nacht ein Star der Boulevard-Shows – und in instinktsicherer Konsequenz eine Unternehmerin. „Ich habe mir gedacht, was die Waschmittelriesen können, kann ich auch.“

Industrielle Partner. Mitte 2003 erscheint der Waschmittelzusatz Swobb am Markt – und zwar nicht im Werbefernsehen, sondern im Teleshoppingkanal. Was da versprochen wird, klingt eigentlich zu schön um wahr zu sein: „Nie mehr bügeln“ oder „ihre Waschmaschine bügelt für sie“. Der TV-Verkauf ist seither sofort „enorm erfolgreich“, sagt Manja König. Über den Umsatz selbst will sie freilich nicht sprechen. Dafür sind die Pläne umso hochtrabender: „Ich will ein weltweites Vertriebssystem aufbauen, genau so wie Tupperware das gemacht hat.“ Industrielle Partner sollen ihr dabei helfen. Der heimische Auftragsfertiger Brenntag AG etwa produziert die Chemikalie und übernimmt auch die Vorort-Lagerung. Die weitere Logistik wird von Schenker erledigt, König selbst rührt – überaus gekonnt – die Werbetrommel.

Schwiegermutter, Putzfrau und Kindermädchen. Für sie hat sich bereits heute all der Aufwand der letzten Monate gelohnt, betont die Erfinderin. Sie habe sich, was ihre private Hitliste betrifft, „alle Wünsche erfüllt:“. „Mehr als ein Auto kann ich gleichzeitig nicht fahren, mehr als eine schöne Uhr brauche ich nicht.“ Nur Hausfrau zu sein war für die Burgenländerin mit deutschen Wurzeln offenkundig nicht genug. Nun hat sie Stress und Druck und viele Termine und wenig Zeit. Sie fährt im Schnitt 13.000 Kilometer im Monat, arbeitet 16 Stunden am Tag. Sie hat keine Zeit mehr für die alten Freunde. Und sie ist für ihre Kinder – im Alter von vier, sechs und zwölf Jahren – „ganz“ nur von Freitag bis Sonntag da. Unter der Woche helfen Schwiegermutter, Putzfrau und Kindermädchen. Ihr Mann ist nicht mit am Swobb-Schiff. „Peter arbeitet in der Herstellung von Tarkettböden und will da auch bleiben“ sagt Manja König.

Neue Freunde. Bleiben will auch die Erfindern – und zwar am Boden. „Ich war bei den Salzburger Festspielen eingeladen“ sagt König, „und habe da Frau Jacobs kennen gelernt und eine Frau Hennessy. Das war ganz nett. Aber nichts für mich.“ Statt Societyspalten studiert König derzeit lieber den Grundstücksmarkt. „Ich will eine Abfüllanlage bauen und suche mir gerade in Österreich ein Grundstück dafür“ sagt die Mutter der Bügelfreien Wäsche. Von hier aus will sie dann den EU-Raum, Hongkong, Thailand und die USA beliefern. „Sobald die Direct Marketing-Schiene steht, gehe ich aus dem Handel raus und verlege mich auf die Produktion“ sagt König. Laut Manja König verkaufen derzeit 400 „Provisionsmitarbeiter“ im Strukturvertrieb ihre Swobb-Produkte. Waschmittelzusatz, Waschmittel, Spray und Creme sollen, so König gar nicht bescheiden, bis Ende des Jahres von rund dreitausend Verkäufern auf den Markt gebracht werden.

Schmutzwäsche. Gut möglich, dass Königs Angaben demnächst schon einer gerichtlichen Überprüfung standhalten müssen. Denn vor dem Grazer Landesgericht dürfte ab 15. September Schmutzwäsche gewaschen werden. Eine ehemalige Mitarbeiterin Königs klagt auf prozentuelle Gewinnbeteiligung – und will dafür sogar schriftliche Vereinbarungen vorlegen können. Sollte die Klägerin Recht bekommen, dann dürfte sich das Gericht auch für die genauen Umsatzzahlen interessieren. Manja König hat deswegen keine Sorgenfalten. „Klagen wie diese muss ich in Kauf nehmen, das sind die Schattenseiten des Erfolgs. Aber dafür habe ich ja Rechtsanwälte. Mittlerweile jede Menge.“

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